Herr Pfadenhauer, wie anpfiff.info bereits im Wechselsplitter berichtet hat, konnten Sie für die kommende Saison einen Erfolgscoach ans Land ziehen. Stellen Sie uns ihn doch etwas genauer vor.
Thomas Pfadenhauer: Matthias Raab war schon beim Kreisliga-Aufstieg im Jahr 1997 beim VfB Neuensee. Weitere Stationen als Spieler waren der ATV Kulmbach in der Bezirksoberliga, FC Burgkunstadt, SC Weismain und DJK Lichtenfels. Als Spielertrainer wurde er sowohl mit der SpVgg Windischenhaig als auch mit dem FV Mistelfeld Meister der A-Klasse. Matthias Raab ist ein kompetenter Fußballer, dem keiner mehr was vormacht.

Wie kam der Kontakt zustande?
Thomas Pfadenhauer: Matthias Raab hat ja in der Saison 2017/2018 schon zwei Spiele für uns absolviert. Danach konnte er leider aufgrund einer langwierigen Verletzung nicht weiterspielen. Der Kontakt ist aber nie abgebrochen und so war uns schnell klar, dass wir ihn als Trainer verpflichten wollen. Mit Matthias Raab konnten wir unseren Wunschkandidaten fürs Traineramt gewinnen. Trainer und Vorstandschaft liegen in jedem Fall auf einer Wellenlänge und wir werden gut zusammenarbeiten.

Was erwarten Sie sich vom neuen Trainer?
Thomas Pfadenhauer: Matthias Raab hat vor zwei Jahren schon aushilfsweise das Training geleitet. Daher wissen wir, dass uns ein hervorragendes und abwechslungsreiches Training erwartet. Ich bin mir sicher, dass er die Mannschaft in Sachen Fitness und im taktischen Bereich weiterentwickeln wird. Mit der Verjüngung in der Vorstandschaft und ihm als Trainer erhoffen wir uns einen Umbruch und dass sich der eine oder andere Spieler noch für uns entscheidet.

Auf Ihrer Facebook-Seite gaben Sie einen kleinen Einblick, dass der neue Trainer mit seiner Erfahrung die gesteckten Ziele erreichen könnte. Wie sehen diese Ziele aus?
Thomas Pfadenhauer: Nach vier Jahren in der untersten Klasse, wo wir im Mittelfeld „rumdümpeln“, muss natürlich das Ziel sein, wieder vorne mitzuspielen und den Aufstieg anzuvisieren. Wobei ich erwähnen möchte, dass der Aufstieg kein Muss ist, aber schön wäre er trotzdem (schmunzelt).

Was wünschen Sie sich in der Rückrunde von den Jungs?
Thomas Pfadenhauer: Unser erstes Pflichtspiel nach der Winterpause konnten wir überraschend deutlich mit 5:0 gegen den FC/TSV Rödental für uns entscheiden. Mit von der Partie waren mit Simon Pommer und Jörg Jürgens zwei Neuverpflichtungen aus dem Winter, die uns weiterhelfen werden. Ich wünsche mir, dass wir noch den einen oder anderen Sieg einfahren. Die Spieler sollen einfach wieder mit Spaß an die Sache rangehen. Wir können ja befreit und ohne Druck aufspielen.

Gibt es bereits Ab- oder Zugänge für die kommende Saison?
Thomas Pfadenhauer: Abgänge gibt es zum jetzigen Stand nicht. Der Kern der Mannschaft wird auf jeden Fall zusammenbleiben. Wir sind uns bereits mit zwei Zugängen einig, die höherklassig spielen. Außerdem sind wir noch mit weiteren möglichen Zugängen in Gesprächen.

Herr Raab, schön, dass es Ihnen wieder besser geht. Mussten Sie lange überlegen das Traineramt anzunehmen?
Matthias Raab: Da müsste man fast ein bisschen ausholen… Grundsätzlich war es eigentlich immer meine Intention, bei einem Traineramt auch selbst noch mitzuspielen, nicht zuletzt, um mich dadurch auch selbst noch etwas fit zu halten. Nun habe ich aber leider seit eineinhalb bis zwei Jahren Probleme im Leistenbereich, welche sich anfangs wie eine harmlose Adduktorenzerrung angefühlt haben, sich aber dann als konkretes Hüftproblem herausgestellt haben. Anstatt auf dem Fußballplatz, habe ich in den letzten beiden Jahren meine Zeit mehr in Arztpraxen und Krankenhäusern verbracht. Aktiv noch einmal zu spielen, daran war nicht zu denken. So gesehen war das Schwierige eher die Überlegung, ob ich für mich als „Nur-Trainer“ die Sache angehen möchte. Bedenkzeit hatte ich mir dafür schon erbeten, aber der VfB hat jetzt in der Vorstandschaft ein Team aus jungen, vernünftigen und durchweg hochmotivierten Leuten, so dass ich, als man mich dann gefragt hat, diesen Weg einfach auch von meiner Seite mit unterstützen wollte.

Auf welchen Typ Trainer kann sich der VfB freuen?
Matthias Raab: Ich erlaube mir mal, die Frage etwas umzuformulieren und zu sagen: Was ist mir wichtig im Fußball? Was die Trainingslehre betrifft, so setze ich die Schwerpunkte eher bei Themen wie Koordination, Schnellkraft, Rumpfstabilisation, flüssige Ballmitnahmen, schnelle Fußarbeit, Spielintelligenz und 10:1-Spielmustern als beispielsweise bei monotonen Ausdauerläufen, deren Wert ich, was die Anforderungen für das Fußballspiel betrifft, nur bedingt nachvollziehen kann. Wichtig ist mir auch, Inhalte zu vermitteln, konkrete Handlungsoptionen mitzugeben und sich mit Fußballdetails zu befassen, anstatt kurzfristig Motivations-Strohfeuer zu entfachen. Mein Ziel ist es eher, das Training so interessant zu gestalten, dass ich es dem Spieler jeden Dienstag und Donnerstag so schwer wie möglich mache abzusagen. Ansonsten, möchte ich einen sachlichen und von Wertschätzung geprägten Umgang vorleben und auch, wenn Fußball natürlich immer Emotion bedeutet, „Durch die Decke gehen“, oder den berühmten Eiskoffer durch die Kabine treten, ist nicht mein Ding. Schon als Spieler habe ich solche Aktionen stets eher als Effekthascherei wahrgenommen.

Gibt es bereits Spieler, die Ihnen folgen werden?
Matthias Raab: Es gibt natürlich Gespräche und gerade, weil potentielle Neuzugänge berechtigter Weise in der Regel zunächst wissen wollen, wer Trainer wird, war es der Vorstandschaft wichtig, diese Variable frühzeitig zu besetzen. Wir sind uns natürlich auch bewusst, dass es nicht leicht ist, Spieler für die B-Klasse zu begeistern. Dennoch, meine ich, dass die Tradition und das durchaus begeisterungsfähige Umfeld beim VfB, es wert sein sollten, uns bei unserem Projekt zu unterstützen. Wir können von unserer Seite nur aufzeigen, dass wir gewillt sind die Sache mit Vernunft, Sachverstand und hoher Motivation anzugehen. Welche Spieler am Ende definitiv zusagen, sieht man dann ab 1. Juli.

Gab es auch Anfragen von anderen Vereinen?
Matthias Raab: Die Frage „stellte“ sich eigentlich so gar nicht. Es ging, wie eingangs erwähnt, einzig und allein darum, ob ich mir als „Nur-Trainer“ den Aufwand mit Familie, Beruf und Fußball „aufbürden“ will. Es war aber immer klar: Wenn ja, dann beim VfB.

Sie wurden bereits zwei Mal Meister in der A-Klasse. Stehen Sie da ein wenig unter Druck, dass man von Ihnen den Aufstieg in die A-Klasse erwartet?
Matthias Raab: Grundsätzlich ist es natürlich positiv, wenn man weiß, dass die Art und Weise, mit welcher man die Sache angeht, bereits mehr als einmal funktioniert hat. Ich befasse mich aber in Regel lieber mit den Sachen, die man direkt beeinflussen kann, zum Beispiel jedem einzelnen Fußballer konkrete Handlungsoptionen zu vermitteln und das Gesamtkonstrukt Mannschaft in kleinen Schritten voranzubringen, um damit dann Sonntag für Sonntag das bestmögliche Ergebnis zu erzielen. Abhängig ist man ohne Zweifel auch von der Qualität, die der Kader mitbringt. Dann kommen auch Dinge hinzu, die man nicht direkt beeinflussen kann. Gerade in Spielklassen mit vielen zweiten Mannschaften sind diese hinsichtlich ihrer Spielstärke und Qualität der Einzelspieler teilweise regelrechte „Wundertüten“. Je nachdem, in welcher Besetzung man sie dann am Tag X erwischt, kann dies das komplette Saisonergebnis beeinflussen.

anpfiff.info bedankt sich für das interessante Interview und wünscht dem VfB Neuensee in der Rückrunde alles Gute.

Quelle: http://www.anpfiff.info/sites/cms/artikel.aspx?SK=3&Btr=79325&Rub=551